Zinsbindung und Anschlusszins: das Risiko beginnt nach der Bindung

Nicht der heutige Zins entscheidet über deine Finanzierung, sondern der, den du noch nicht kennst. Wie du deine persönliche Zinsgrenze findest und warum lange Zinsbindungen dank § 489 BGB eine einseitige Option sind.

Stand September 2026 · Geprüfte Quellen am Ende des Artikels

Auf dieser Seite Was nach der Zinsbindung passiertDein kritischer Anschlusszins: die eine Zahl10 oder 15 Jahre: die Asymmetrie des § 489 BGBTilgung ist der beste ZinsschutzForward-Darlehen: Versicherung mit PreisHäufige Fragen

Was nach der Zinsbindung passiert

Die Sollzinsbindung friert deinen Zins für die vereinbarten Jahre ein. Danach ist das Darlehen fast nie getilgt: Die Restschuld wird zum dann gültigen Marktzins weiterfinanziert, bei deiner Bank oder einer anderen. Diesen Anschlusszins kennt heute niemand, und genau deshalb ist er das zentrale Risiko der Finanzierung, nicht der Zins, den du unterschreibst.

Der Anschlusszins ist unbekannt: Jede Kalkulation braucht eine ehrliche Annahme dafür, nicht die Hoffnung auf den heutigen Zins.

Das Risiko wirkt auf die Restschuld, nicht auf den Kaufpreis: Wer bis dahin viel getilgt hat, hat wenig Angriffsfläche.

Nach zehn Jahren ab Vollauszahlung kannst du jede längere Bindung mit sechs Monaten Frist kündigen, § 489 BGB.

Dein kritischer Anschlusszins: die eine Zahl

Statt zu raten, wohin die Zinsen laufen, lässt sich die Frage umdrehen: Ab welchem Anschlusszins deckt deine bisherige Rate nicht einmal mehr die Zinsen der Restschuld? Diese Grenze ist dein kritischer Anschlusszins, und sie ist reine Arithmetik: Jahresrate geteilt durch Restschuld. Im Beispiel des Objekt-Checks (147.000 € Darlehen, 3,6 % Sollzins, 2 % Anfangstilgung) liegt die Rate bei 687 €, die Restschuld nach zehn Jahren bei rund 112.000 € und die Grenze bei 7,4 %. Alles darunter heißt: Die Rate bleibt tragbar, nur das Verhältnis von Zins und Tilgung verschiebt sich.

Der Abstand zwischen deiner Annahme und dieser Grenze ist dein Puffer in Prozentpunkten. Er wächst mit jedem getilgten Euro, weshalb dieselbe Frage nach fünfzehn Jahren deutlich entspannter aussieht als nach zehn.

10 oder 15 Jahre: die Asymmetrie des § 489 BGB

Die lange Zinsbindung kostet einen Aufschlag, und viele scheuen sie, weil sie sich nicht fünfzehn oder zwanzig Jahre binden wollen. Dieses Argument übersieht § 489 BGB: Nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang des Darlehens kannst du jede Zinsbindung mit sechs Monaten Frist ordentlich kündigen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt dabei nicht an, denn du zahlst nicht vorzeitig zurück, sondern beendest den Vertrag über ein gesetzliches Kündigungsrecht.

Die lange Bindung ist damit eine einseitige Option: Steigen die Zinsen, bist du bis zum Ende geschützt. Fallen sie, kündigst du ab dem zehnten Jahr und finanzierst günstiger um. Die Bank ist gebunden, du ab Jahr zehn nicht mehr. Der Aufschlag der langen Bindung ist der Preis dieser Option, und er ist oft kleiner, als die Sicherheit wert ist.

Tilgung ist der beste Zinsschutz

Der Anschlusszins trifft nur, was übrig ist. Ein Prozentpunkt mehr Anfangstilgung senkt die Restschuld am Ende der Bindung spürbar und hebt zugleich den kritischen Anschlusszins; Sondertilgungen wirken genauso. Der Tilgungsrechner zeigt beides im Verlauf, und der Objekt-Check nennt die Grenze direkt: Dort siehst du, wie viel Prozentpunkte Luft ein Punkt mehr Tilgung kauft. Die alte Faustregel der Szene, Zins plus Tilgung gleich acht Prozent, zielt genau auf diese Robustheit.

Forward-Darlehen: Versicherung mit Preis

Endet deine Bindung in ein bis fünf Jahren, kannst du den Anschlusszins heute festschreiben: Ein Forward-Darlehen beginnt erst später, kostet dafür einen Aufschlag je Monat Vorlaufzeit. Das ist keine Wette, sondern eine Versicherung: Du tauschst die Chance auf fallende Zinsen gegen die Gewissheit einer tragbaren Rate. Ob sie sich lohnt, entscheidet der Zins, der sonst gekommen wäre, und den kennt niemand. Rechne stattdessen, ob du den versicherten Zins dauerhaft tragen kannst: Wenn ja, ist der Rest Psychologie.

Rechne es an deinem Objekt

Der Objekt-Check rechnet aus Rate und Restschuld den Zins, ab dem deine Finanzierung kippt, und zeigt, wie viel Luft zwischen ihm und deiner Annahme liegt.

Kritischen Anschlusszins berechnen

Häufige Fragen

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Die Weiterfinanzierung der Restschuld, wenn die Sollzinsbindung endet. Der Zins dafür ist der am Markt dann gültige; er ist heute unbekannt und deshalb das zentrale Risiko jeder Immobilienfinanzierung.

Zinsbindung 10 oder 15 Jahre, was ist besser?

Die lange Bindung kostet einen Zinsaufschlag, schützt dafür länger. Entscheidend ist § 489 BGB: Nach zehn Jahren ab vollständiger Auszahlung kannst du jede längere Bindung mit sechs Monaten Frist kündigen; die Bank ist gebunden, du nicht. Die lange Bindung ist damit eine einseitige Option.

Wann lohnt ein Forward-Darlehen?

Wenn deine Bindung in den nächsten Jahren endet und du das heutige Zinsniveau festschreiben willst. Der Aufschlag je Monat Vorlauf ist der Preis dieser Versicherung; ob er sich lohnt, entscheidet der Zins, der sonst käme, und den kennt niemand.

Quellen: § 489 BGB, ordentliches Kündigungsrecht